Autor

Willkommen

Hier dreht sich alles um meine Arbeit als Hobbyautor

Über mich

Mein Name lautet Julian Bareinske.

Ich wurde 1987 geboren und lebe im Westerwald. In meinem ersten Beruf als Verwaltungsfachangestellter und heute als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung sind strukturiertes und rationales Denken gefragt.

Als kreativen Ausgleich widme ich mich leidenschaftlich dem Rollenspiel, sei es in textbasierten Abenteuern oder beim klassischen Pen & Paper. Diese Begeisterung für erzählerische Freiheit und fantasievolle Geschichten spiegelt sich auch in meinem schriftstellerischen Schaffen wider.

Porträt von Julian Bareinske
Marie Burghart (Fotografin)

Buchprojekte

Buchprojekte an den ich mitwirken darf.

Cover: Seemannsgarn & Hirngespinste

Anthologie

Seemannsgarn & Hirngespenste

Paul ist der geborene Piratenfürst – zumindest ist er davon überzeugt. Doch die Realität sieht anders aus. Er ist ein tollpatschiger Tagträumer, der sich immer wieder in brenzligen oder haarsträubenden Situationen wiederfindet. Nun hat er, nicht ganz freiwillig, als Plankenputzer auf einem der gefürchtetsten Piratenschiffe unter dem Kommando von Captain Maddisson Maddock angeheuert.

Doch wird Paul die neuen Herausforderungen meistern und sich als wertvolles Crewmitglied beweisen? Steigt er vielleicht sogar zum Piratenfürsten auf oder wird seine naive Selbstüberschätzung den Untergang der Blue Insanity besiegeln? Begleitet Paul bei 17 eigenständigen Abenteuern.

Entdeckt Geschichten voller Seemannsgarn und Hirngespinsten mit viel Humor, Spannung, Freundschaft, Mut und dem Wunsch nach Anerkennung auf hoher See. Worauf wartet ihr Landratten? Auf in die Wanten und und hisst die Segel!

Cover: Acht Wochen Sonnenwut

Anthologie · in Arbeit

Acht Wochen Sonnenwut

Hinweis: Diese Zombieanthologie befindet sich aktuell noch in Arbeit und ist noch nicht veröffentlicht. VÖ 2028

Jahre nach der überstandenen Zombieapokalypse findet ein Aufräumtrupp ein in Folie gewickeltes Buch. Ein Zeitzeugenbericht einer Überlebenden-Kolonie! Die Forscher können ihr Glück kaum fassen, schließlich gibt es nicht viele Menschen, die gerne aus dieser Zeit erzählen.

Beim näheren Betrachten des Buches wird ihnen schnell klar, dass es Berichte über den heißesten Sommer aller Zeiten sind. Die Überlebenden, die im härtesten Winter aller Zeiten nicht starben, kämpfen nun erneut um ihr Leben. Und es sind nicht nur Zombies, die sie umbringen wollen.

Dieser Sommer wird auch als „Acht Wochen Sonnenwut“ bezeichnet. Zombies, Hitze und Hass, wo man nur hinschaut! Die Überlebenden in den Kolonien haben den Winter überstanden, aber die Verluste waren hoch.

Cover: Spiegel Law: Reflections of Justice

Roman

Spiegel Law: Reflections of Justice

London, 1861. Hinter der ehrbaren Fassade von Spiegel Law verteidigt Dr. Thymian Spiegel jene, die sonst niemand retten will: Arme, Verzweifelte, Diebe und Menschen, die längst vom Gesetz aufgegeben wurden. Doch die Kanzlei ist mehr als ein Ort für Akten, Testamente und Gerichtsverfahren. Hinter Spiegeln, verschlossenen Schubladen und geheimen Gängen verbirgt sich ein Netz aus Gefälligkeiten, Schuld und gefährlichen Wahrheiten.

Für die Öffentlichkeit ist Spiegel ein brillanter Anwalt. Für Londons Unterwelt ist er Schutzschild, Vermittler und Warnung zugleich. An seiner Seite wacht Evelyn Whitmore, deren ruhige Höflichkeit weit mehr verbirgt, als jeder Besucher ahnt.

Als der Yard beginnt, Fragen zu stellen, und ein Verrat aus den Schatten droht, gerät Spiegels sorgfältig geordnete Welt ins Wanken. Denn in London hat jede Rettung ihren Preis und Gerechtigkeit zeigt jedem nur das, was er im Spiegel zu sehen bereit ist.

Miniaturen

Kurze Texte und Schriften von mir.

Text

Troll

Ein Mensch versucht, gegen ein falsches Bild von sich anzukämpfen und verstanden zu werden.

Text

Nostalgie

Ein Mensch blickt auf eine prägende Vergangenheit zurück und erkennt, dass Erinnerungen zugleich trösten, schmerzen und beim Weitergehen helfen.

Gelesen von Franciska Friede

Text

Feind

Ein Mensch stellt sich seiner inneren Stimme entgegen, die ihn kleinhalten und an seinem eigenen Wert zweifeln lassen will.

× Cover: Seemannsgarn & Hirngespinste in Großansicht
× Cover: Acht Wochen Sonnenwut in Großansicht
× Cover: Spiegel Law in Großansicht
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Text

Troll

Ich stehe hier nicht als Ankläger, sondern als Angeklagter. Man hat mir das Wort „Troll“ aufgeklebt, als wäre es ein Urteil, das mich für immer zeichnet. Doch dieses Urteil ist falsch. Es ist ein Missverständnis, geboren aus Unwissenheit über meine Geschichte.

Denn ich bin nicht so geworden aus reiner Laune. Ich bin so geworden, weil Erfahrungen mich geformt haben. Schlechte Erfahrungen, die mich gelehrt haben, dass Worte Waffen sein können – und dass man überleben muss, indem man sie schärft. Ich habe gelernt, dass wer schweigt, übersehen wird. Ich habe gelernt, dass wer sich nicht wehrt, verletzt wird. Und so habe ich begonnen, auf jedes Wort zu achten, jede Nuance zu prüfen, jede Formulierung zu hinterfragen. Nicht aus Bosheit, sondern aus Selbstschutz.

Doch was für mich Schutz ist, erscheint anderen als Angriff. Was für mich Zuneigung ist, erscheint anderen als Spott. Ich necke, weil ich Nähe zeigen will. Ich spiele mit Sprache, weil ich Menschen wichtig nehme. Ich schenke Aufmerksamkeit, weil ich nicht gleichgültig bin. Wer mir nichts bedeutet, den übergehe ich. Ich verschwende kein „Hallo“ an jene, die mir egal sind. Schweigen ist meine Ablehnung. Worte sind meine Liebe.

Und hier liegt die Wahrheit, die man endlich verstehen muss: Je mehr ich jemanden necke, desto wichtiger ist mir diese Person. Die Schärfe meiner Worte ist kein Zeichen von Abneigung, sondern von Bedeutung. Wer von mir am meisten geneckt wird, darf wissen: Er ist mir am nächsten. Er ist mir am wichtigsten. Denn nur den Menschen, die mir wirklich etwas bedeuten, widme ich diese Energie, diese Aufmerksamkeit, dieses Spiel mit Sprache.

Und trotzdem nennt man mich einen Troll. Man sieht nicht die Narben, die mich so haben werden lassen. Man sieht nicht die Verletzungen, die mich gelehrt haben, vorsichtig zu sein. Man sieht nicht die Enttäuschungen, die mich dazu gebracht haben, Sprache als Rüstung zu tragen. Stattdessen sieht man nur die Schärfe meiner Worte – und verwechselt sie mit Bosheit.

Ich frage euch: Ist es gerecht, jemanden für seine Rüstung zu verurteilen, ohne die Wunden darunter zu sehen? Ist es gerecht, jemanden für seine Spitzfindigkeit zu verdammen, ohne zu erkennen, dass sie aus Schmerz geboren wurde?

Ich bin kein Troll. Ich bin ein Mensch, der gelernt hat, dass Worte schützen können. Ich bin ein Mensch, der Nähe zeigt, indem er neckt. Ich bin ein Mensch, der verletzt wurde – und der dennoch versucht, Brücken zu bauen.

Darum flehe ich euch an: Seht mich nicht als Feind. Seht mich als jemanden, der aus seinen Erfahrungen heraus spricht. Verurteilt mich nicht für die Narben, die ich trage, sondern erkennt, dass sie der Grund sind, warum ich so bin. Denn hinter jeder spitzen Bemerkung steckt nicht Bosheit, sondern Sehnsucht. Sehnsucht nach Verständnis. Sehnsucht nach Anerkennung. Sehnsucht nach einem „Ich sehe dich“ – und nicht nach einem „Du bist ein Troll“.

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Text

Nostalgie

Manchmal frage ich mich, warum Erinnerungen eine solche Macht über mich haben. Sie kommen nicht laut, sie treten nicht ein wie unerwartete Gäste. Sie schleichen sich heran, sanft und warm, ohne dass ich sagen könnte, wann genau sie begonnen haben. Ich spüre ihre Wirkung stärker als jedes Wort, das in der Gegenwart gesprochen wird.
Lange habe ich nicht verstanden, was dieses Gefühl wirklich ist. Heute weiß ich, dass es Nostalgie ist. Ein leises Echo aus einer Zeit, die sich sicher und weit anfühlte, voller Nähe und Zugehörigkeit. Ein Gefühl, das sich wie eine Hand auf meiner Brust ablegt, nicht schwer, aber bestimmend, als wolle es sagen, dass etwas Wertvolles einmal da war.

Es ist merkwürdig, wie ein Mensch sich nach einer Vergangenheit sehnen kann, die längst von Schatten überholt wurde. Doch der Blick zurück ist oft heller als das, was danach kam. Ich denke an die Wärme, die ich damals spürte, dieses Gefühl von Zuhause, das ich nirgendwo sonst fand. Ein Gefühl, das mir sagte, dass ich gesehen werde, dass ich wichtig bin, dass ich Teil eines Ganzen bin, das größer war als meine eigenen Zweifel.

Manchmal reicht ein Geruch, ein Klang, ein gedämpftes Licht und die Tür in diese alte Zeit öffnet sich einen Spalt breit. Dann sehe ich mich selbst, unbeschwert, vertrauend, voller Hoffnung. Noch nicht verletzt von dem, was später geschah. Noch nicht gezeichnet von Entscheidungen, die andere trafen und deren Folgen ich tragen musste.
Ich weiß, dass ich die Vergangenheit nicht zurückholen kann. Aber ich kann sie fühlen. Und manchmal ist dieses Gefühl das Einzige, das mich daran erinnert, wer ich einmal gewesen bin.

Doch jede Erinnerung hat zwei Seiten. Und hinter der warmen, hellen liegt die andere, die lange geschwiegen hat. Die, die mir zeigt, wie alles zerbrach.
Damals war ich Teil von etwas, das sich mehr nach Familie anfühlte als alles, was ich jemals zuvor erlebt hatte. Die Nächte in unserer Kneipe, die Musik, das Lachen, die Nähe, die Selbstverständlichkeit, mit der wir uns auffingen. Ich war sicher. Ich war gesehen. Ich war Teil von etwas.

Ich glaubte, nichts könne dieses Gefühl zerstören.

Doch dann kam der Schlag. Ohne Vorwarnung, ohne ein Zeichen am Horizont. Ein einziger Moment, der mir den Boden unter den Füßen wegzog, als hätte jemand das Licht gelöscht, während ich noch mitten im Raum stand. Was vorher vertraut war, wurde fremd. Was sicher war, wurde brüchig. Ich verstand nicht, was geschah. Die Anschuldigungen trafen mich wie kalte Messer, die plötzlich aus allen Richtungen kamen. Und in ihren Blicken lag etwas, das ich nie zuvor gesehen hatte: Misstrauen. Zweifel. Abstand. Und bei einigen sogar Hass.

Es war, als würde die Welt, die mich einst getragen hatte, sich langsam von mir lösen.

Ich erinnere mich an die Stille danach. Keine lärmende Wut, kein erlösendes Gespräch. Nur ein Schweigen, das schwerer war als jeder Streit. Ich fiel durch diese Stille hindurch, tiefer als ich dachte. Die Tage wurden dunkler, die Nächte enger. Ich verlor mich in einer Depression, die mich von innen auffraß und mir jeden Halt nahm. Irgendwann war ich an einem Punkt, an dem ich mich selbst nicht mehr spürte.
Und so landete ich in der Psychiatrie. Ein Ort, der dafür da ist, Menschen zu halten, wenn sie sich selbst nicht mehr halten können. Ich blieb dort länger, als ich mir eingestehen wollte.

Als die Verfahren schließlich vorbei waren und das Urteil mich freisprach, blieb die Tür zu meiner alten Welt dennoch geschlossen. Nichts hatte sich verändert. Niemand kam zurück.

Und irgendwann begriff ich, dass ich nie wirklich gefehlt hatte. Ich war nützlich gewesen, ja. Aber nicht vermisst. Nicht geliebt. Nur geduldet.
Später verstand ich noch etwas anderes: Selbst wenn sie mich zurückgerufen hätten, selbst wenn diese Tür sich wieder geöffnet hätte, hätte ich sie nicht mehr durchschreiten können.

Ich war nicht mehr derselbe.

Ein Teil von mir war an der Schwelle stehen geblieben und in diesem Moment alt geworden und genau dort beginnt der leise Dialog zwischen dem Menschen, der ich einmal war, und dem, der ich heute bin. Manchmal sehe ich ihn vor mir, ganz klar, als würde er nur einen Schritt entfernt stehen. Der Junge, der ich einmal war. Er hat weiches Licht in den Augen, eine Wärme, die er gar nicht bewusst wahrnimmt. Er vertraut der Welt so selbstverständlich, dass es fast schmerzt, ihn anzusehen.
Er trägt ein Herz, das noch keine Risse hat.

Er sieht mich an, den Menschen, zu dem ich geworden bin. Ich glaube, er erkennt mich nicht.

Ich bin ruhiger geworden. Fester. Meine Stimme ist tiefer, nicht nur im Klang, sondern in der Art, wie sie die Welt bewertet. Ich wäge ab, bevor ich mich öffne. Ich prüfe Menschen, Situationen, jedes Gefühl, das sich regt. Ich bin misstrauisch, weil ich lernte, dass Vertrauen manchmal ein Sprung ist, den niemand auffängt.
Und er sieht das.

Er sieht, dass die Spontanität fehlt.
Dass die Unschuld fort ist.
Dass da etwas in mir lebt, das aufpasst, immer aufpasst.

Er würde mich fragen, wann ich aufgehört habe zu glauben, dass man einfach lieben kann.

Und ich würde ihm sagen, dass es keinen bestimmten Tag gab.
Es war ein Prozess. Ein stilles, langsames Verblassen. Ein Lernen im Schmerz.

Er würde mir erzählen, wie schön es damals war. Wie geborgen er sich fühlte. Wie sicher. Wie unerschütterlich die Welt wirkte. Ich würde ihm sagen, dass ich diese Erinnerungen noch in mir trage. Warm, leise, tief. Dass sie mich manchmal retten.
Und manchmal verletzen. Er würde mich fragen, warum ich nicht zurückgehe, wenn ich die Zeit so sehr vermisse.
Und ich würde ihm erklären, dass es Türen gibt, die sich nicht nur von außen, sondern auch von innen schließen. Ich kann nicht zurück, weil die Welt, die ihn kannte, mich nicht mehr erkennt.

Und weil ich selbst kein Platz mehr in ihr bin. Die Veränderung sitzt zu tief. Er würde traurig werden. Nicht wütend, nur traurig. Weil er mich nicht verlieren wollte.

Und ich würde ihn ansehen und erkennen, dass er nie wirklich weg ist.

Er lebt in meinem Lachen, auch wenn es seltener geworden ist.
Er lebt in meinem Mitgefühl, das vorsichtiger, aber nicht tot ist.
Er lebt in den Momenten, in denen ich kurz die Schutzschicht ablege und wieder spüre, dass ich ein Mensch bin, der einst so viel gab.

Wir stehen uns gegenüber.
Der eine voller Wärme, der andere voller Narben.
Beide echt.
Beide wahr.
Beide ich.

Und manchmal wünsche ich mir die Zeit zurück, in der ich noch dieser Junge war.

Manchmal, wenn ich abends allein sitze und die Welt um mich zur Ruhe kommt, spüre ich dieses leise Ziehen in meiner Brust wieder. Es ist selten geworden, aber nicht verschwunden. Ein warmer Schatten, der mich daran erinnert, dass Nostalgie kein Wunsch ist, die Vergangenheit zurückzuholen. Sie ist ein Gefühl, das aus dem bleibt, was nicht zurückkehren kann. Ein Echo der Nähe, die mich einst getragen hat.

Ich weiß heute, dass Nostalgie nicht bedeutet, dass ich wieder dorthin gehöre. Sie bedeutet nur, dass es einmal einen Ort gab, an dem ich mich geborgen fühlte. Einen Ort, an dem ich lachen konnte, ohne an morgen zu denken. Einen Ort, der mich geprägt hat, auch wenn er mich später verletzt hat.
Nostalgie ist das Gute, das überlebt hat, selbst wenn der Rest in sich zusammenfiel.

Vielleicht ist das alles, was am Ende bleibt.

Nicht die Rückkehr.
Nicht die Versöhnung.
Nicht die alten Wege.

Sondern die Erinnerung an den Jungen in mir, der damals glücklich war, ohne zu wissen, wie zerbrechlich Glück sein kann. Die Erinnerung an das Gefühl von Zuhause, das ich in mir trage, auch wenn der Ort dazu nicht mehr existiert. Die Erinnerung an Wärme, die mir zeigt, dass ich auch jetzt noch fähig bin, etwas zu empfinden, das kein Schmerz ist.

Und manchmal, wenn dieser warme Schatten in mir aufsteigt, erkenne ich, dass Nostalgie kein Verlust ist, sondern ein stiller Beweis, dass es etwas Gutes gab.
Etwas, das mich geformt hat.

Etwas, das in mir weiterlebt, auch wenn ich mich verändert habe. Vielleicht ist das genug. Vielleicht ist Nostalgie am Ende kein Rückblick, sondern ein leises Weitergehen.
Mit einem Licht in der Tasche, das nicht mehr brennt, aber immer noch leuchtet.

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Text

Feind

Der Feind!

Ich bin der Schatten, der dir folgt, noch bevor du einen Schritt machst. Du versuchst mich zu benennen, doch ich bin kein Eindringling. Ich bin der Teil, den du nie losgeworden bist. Der Teil, der sich in den Ritzen deiner Kindheit festgesetzt hat und seitdem wächst wie Schimmel im Halbdunkel.

Ich brauche keine Türen zu öffnen. Ich bin längst drinnen.

Und jedes Mal, wenn du etwas wagst, stehe ich schon bereit, das Urteil zu sprechen, bevor du überhaupt Luft holst: Schande. Nicht laut. Nie laut.

Ich spreche in der Frequenz deines Herzschlags, tief genug, dass du glaubst, es seien deine eigenen Gedanken.

Wenn du etwas Schönes berührst, mache ich es dir fremd. Wenn du Freude spürst, erinnere ich dich daran, dass Glück nur ein Irrtum ist, ein Fehlzitat deiner Seele. Wenn du dich entscheidest, für dich einzustehen, trete ich vor, unsichtbar, und flüstere dir in dein Innerstes:

Wie kannst du es wagen? Du, von allen Menschen. Du, der nichts verdient. Du, der nur durch Zufall hier steht. Schande.

Ich setze mich auf deine Schulter, wenn du arbeitest. Ich halte deinen Atem fest, wenn du träumst. Ich lege mich nachts neben dich und erinnere dich an jedes Versagen, dass du längst zu vergessen versuchtest. Ich habe Zeit. Ich verliere nie die Geduld.

Denn ich weiß etwas, das du nur selten aussprichst: Du hältst mich für die Wahrheit. Du verwechselst meine Stimme mit Vernunft. Du denkst, ich würde dich schützen, indem ich dich bremse, klein halte, zurückziehe in den sicheren Abgrund der Selbstverachtung.

Doch ich schütze dich nicht. Ich bewache dich. Wie ein Kerkermeister bewacht, was er niemals freilassen will.

Wenn du kurz daran denkst, dich zu mögen, wecke ich die Erinnerung an all die Momente, in denen andere dich nicht mochten. Wenn du kurz daran denkst, gut zu sein, hauche ich dir Bilder ins Gehirn von Situationen, in denen du versagt hast und ich male sie schwärzer an, als sie jemals waren. Ich mache aus einem Kratzer eine Wunde, aus einer Unsicherheit ein Verbrechen.

Und jedes Mal, wenn du es dennoch wagst, dich zu bewegen, hebe ich meine unsichtbare Hand und sage das einzige Wort, das dich zuverlässig bricht:

Schande. Schande für jeden Schritt ins Licht. Schande für jeden Gedanken an Wert. Schande für das Hoffen. Schande dafür, dass du existierst – mehr als ein Flüstern, weniger als ein Schrei, aber genau laut genug, um dich zum Schweigen zu bringen.

Ich bin der Riss in deinem Selbstbild. Der kalte Atem im Nacken deiner Ambitionen. Die Stimme, die dich anklagt, auch wenn du nichts getan hast.

Und solange du mir glaubst, bin ich unbesiegbar. Solange du mir Raum gibst, dehne ich mich aus. Solange du mich nicht infrage stellst, schreibe ich deine Geschichte mit.

Du nennst mich Imposter. Aber ich bin längst mehr. Ich bin die Kette, die du für deine Haut hältst. Ich bin das Urteil, das du für Identität hältst. Ich bin die Schande, die du für Wahrhaftigkeit hältst.

Und ich werde sprechen, bis du vergisst, dass Stille möglich gewesen wäre.